Von Mord und Zerstörung - die Gründung "tom Hammes"

Am 4. März 1226 - einem Aschermittwoch - wurde die Stadt Hamm von Graf Adolf I. von der Mark gegründet. Vorangegangen waren Intrige, Mord und Zerstörung. Spannend und faszinierend liest sich der Beginn unserer Stadtgeschichte.

Am 7. November 1225 wurde der Kölner Erzbischof Engelbert I von Berg auf dem Weg von Soest nach Köln im heutigen Gevelsberg ermordet. Der Erzbischof hatte versucht, seine Macht im Rheinland und nach Westfalen immer weiter auszudehnen und brachte damit viele rheinländische und westfälische Adlige gegen sich auf. An diesem Hohlweg im heutigen Gevelsberg lauerten Anhänger des damaligen Graf Friedrich von Altena-Isenberg und brachten - obwohl wahrscheinlich eine Entführung geplant war - den Kölner Erzbischof um.

Der Graf wurde daraufhin vor dem Kölner Severintor gevierteilt und seine Besitzungen Nienbrügge, Siedlung, Burg und Brücke sowie die Burg Isenberg durch den Graf Adolf I. von der Mark geschleift. Schleifung ist der mittelalterliche Begriff für "alles dem Erdboden gleich machen".

So wurde auch die Besitzung Nienbrügge, die wenige 100 Meter westlich von der jetzigen Innenstadt in Richtung Herringen lag, zerstört. Die geflohenen Einwohner brachte Graf Adolf I von der Mark auf der Landspitze im Einmündungsbereich der Ahse in die Lippe unter. Diesen Bereich bezeichnete man im Mittelalter als "Ham". Der Siedlungsname "tom Hamme" war geboren.

 

Die junge Stadt Hamm

Die Stadt Hamm entwickelt sich langsam zu einer wichtigen Stadt in der Region und war bis zur Vereinigung der Grafschaft Mark und der Grafschaft Kleve 1398 die Hauptstadt der Grafschaft Mark. 1469 wurde unsere Stadt sogar zur Hansestadt.

Aber auch Rückschläge musste die junge Stadt einstecken. 1288 und 1308 wüteten schwere Brände in der ganzen Stadt, so dass ein großer Teil der Bevölkerung und fast alle Gebäude ausgelöscht waren. Noch nicht wieder erholt, erreicht 1349.35543278085 die Pest unsere Stadt. Es sollen nur sieben Familien überlebt haben.

 

Kriege erschüttern Europa - und Hamm

1609 kam Hamm durch Erbfolge unter preußische Herrschaft. Die Unsicherheit über die Zugehörigkeit zu Preußen dauerte, dank Erbstreitigkeiten zwischen den Dynastien der Pfalzgrafen von Neuburg und den Kurfürsten von Brandenburg, aber bis 1666 an. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Stadt immer wieder von den Truppen der Kriegsparteien heimgesucht. Am Ende wurde Hamm zur preußischen Garnisonsstadt, jedoch ohne Hansestadt zu bleiben, denn Hamms Mitgliedschaft in der Hanse endete 1651.

Im 18. Jahrhundert zerstören erneut zwei Großbrände weite Teile Hamms. 1734 liegen 200 Häuser in Schutt und Asche. Sieben Jahre später brennt es wieder lichterloh. Neben 344 Häusern brennen auch das Rathaus mit dem Stadtarchiv und die reformierte Kirche ab.

Sogar die französische Revolution ist für Hamm nicht nur ein Datum in Geschichtsbüchern, sondern mit unserer Stadtgeschichte verwurzelt. Während in Frankreich die Aristokratie stürzt, fliehen die beiden Königsbrüder Ludwig XVIII. und der spätere Karl X. von Frankreich auf Einladung Friedrich Wilhelms II ins Exil. Sie residierten mehrere Monate im Nassauer Hof, an dessen Stelle sich heute das Marienhospital befindet.

Von 1806 - 1813 steht Hamm unter napoleonischer Herrschaft und ist Sitz eines Kantons innerhalb des Arrondissements Hamm im Ruhrdepartement. Nach den Befreiungskriegen (1813/1814), bei denen im Wechsel Russen, Preußen und Franzosen durch unsere Stadt ziehen, ist Hamm endgültig preußisch und Kreisstadt des gleichnamigen Kreises Hamm innerhalb des Regierungsbezirkes Arnsberg in der Provinz Westfalen. Ab 1815 gehörten ebenfalls alle heutigen Hammer Stadtteile zur Provinz Westfalen.

 

OLG, Eisenbahn, Bad Hamm - Zeichen des Aufstiegs

1820 wurde die Preußische Hauptverwaltung Südwestfalens von Hamm nach Arnsberg verlegt. Als Ersatz zog das damalige "Appellationsgericht" (heute Oberlandesgericht) von Kleve in unsere Stadt. Ab 1894 war das Gericht in einem repräsentativen Gebäude am Friedrichsplatz, dem heutigen Theodor-Heuss-Platz, untergebracht. Dort findet man jetzt das Hammer Rathaus, das nach dem Umzug des OLGs 1959 in die Heßlerstraße dort einzog. Heutzutage ist das Hammer OLG das größte Oberlandesgericht Deutschlands. Nach Anbau und aufwendiger Sanierung erstrahlt es heute an der Heßlerstraße in modernem Glanz.

Schon 1847 wird der Hammer Bahnhof eingeweiht, denn am 2. Mai erreichte der erste Zug der Köln-Mindener Eisenbahn unsere Lippestadt. Ein Jahr später eröffnete die Bahnlinie Hamm-Münster. Als wichtiger Knotenpunkt gewann die Eisenbahnstadt Hamm enorm an Bedeutung. Die Zahl der Verbindungen, die Hamm erreichten oder durchquerten, stieg schnell. Schon 1880 wurde südlich des Personenbahnhofes der erste Rangierbahnhof in der Stadt eröffnet. Durch das starke Anwachsen des Eisenbahnverkehres wurden riesige Umbaumaßnahmen fällig. Der gesamte Bahnhof musste modernisiert werden. Von 1911 - 1929 wurden die Gleise angehoben, der Rangierbahnhof durch drei südlicher gelegene Rangiersysteme ersetzt, zwei Bahnbetriebswerke für Personen- und Güterverkehr errichtet sowie ein neuer Abstellbahnhof für Reisezüge und ein Ortsgüterbahnhof gebaut. Der ehemalige Inselbahnhof wurde während der großen Umbaumaßnahmen 1920 durch den heutigen Bau ersetzt. Bis zum 2. Weltkrieg hatte Hamm damit den größten Verschiebebahnhof Europas.

Doch nicht nur Justiz und Bahn fanden in der aufstrebenden Stadt Platz. 1882 wurde aus Hamm "Bad Hamm" und war von nun an Kurstadt mit ansehnlichem Kurhaus und dem Kurpark.

 

Hamm wird kreisfrei - und Zechenstadt

Zum 1. April 1901 schied die Stadt Hamm aus dem Kreis Hamm aus und wurde mit über 30.000 Einwohnern kreisfreie Stadt. Bis 1929 blieb die Stadt jedoch Sitz des Kreises Hamm, der erst nach Umzug 1930 in den Kreis Unna umbenannt wurde.

Zur gleichen Zeit entstanden im Laufe der Industrialisierung die ersten Zechen auf dem heutigen Stadtgebiet. 1901 eröffnet die Zeche de Wendel, später: Heinrich Robert (Pelkum). 1903 folgt die Zeche Maximilian in Werries, zwei Jahre später die Zeche Radbod in Bockum-Hövel und 1912 die Zeche Sachsen in Heessen.

Mit der Verlegung der Ahse aus der Innenstadt von 1911 bis 1913 unter dem Stadtbaurat Otto Krafft erhielt die Stadtentwicklung neuen Schub.

 

Der zweite Weltkrieg

Unter der Nazi-Diktatur ist Deutschland mit einem unglaublichen Völkermord in einen sinnlosen Krieg geschritten. Kein anderes Ereignis hat das Bild unserer Stadt derart geprägt und verändert wie dieser faschistische Krieg. Bis 1945 waren 60 % der Stadt zerstört. Um das strategisch wichtige Angriffsziel Bahnhof waren über 80 % des Areals dem Erdboden gleich gemacht.

Beim schwersten Angriff im Jahr 1944 wurde unter Einsatz von 750 Bombern und einigen hundert Jagdflugzeugen mit über 8.000 Spreng- und 3.500 Brandbomben innerhalb von einer knappen Stunde die Stadt in ein Flammenmeer und eine Trümmerwüste verwandelt. Mehr als 1.000 Menschen, darunter 233 Internierte und Kriegsgefangene, verloren dabei ihr Leben. Der Spuk fand für Hamm am 6. April 1945 ein Ende, als amerikanische Truppen die Stadt erreichten.

 

Eingemeindung - von 70.000 auf über 180.000 Einwohnern

Passend zur Jahrhundertwende erreichte Hamm 1900 die Einwohnerzahl von über 30.000, war aber in seiner Flächengröße in den alten Grenzen geblieben. Um Hamm herum lagen nördlich die Städte Bockum-Hövel (Kreis Lüdinghausen) und Heessen (Kreis Beckum) und auf der südlichen Lippeseite die Gemeinden Uentrop, Rhynern, Pelkum und Herringen (alle Kreis Unna). Seit dem 1. April 1939 gehörte die Gemeinde Mark (Ursprung der Grafschaft Mark/Burghügel) und seit dem 1. Januar 1968 auch die Gemeinden Berge und Westtünnen sowie der größte Teil der Gemeinde Wiescherhöfen zur Stadt Hamm.

Mit der kommunalen Neuordnung von 1974, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, wurden die umliegenden Städte und Gemeinden in die neue Großstadt Hamm eingegliedert. Von nun an hatte Hamm sieben Stadtbezirke: Mitte, Uentrop, Rhynern, Pelkum, Herringen, Bockum-Hövel und Heessen und war mit über 172.000 Einwohnern die jüngste Großstadt Nordrhein-Westfalens, was sie heute mit über 180.000 Einwohnern immer noch ist.

 

Hamm in den letzten Jahrzehnten

Dass sich das Zeitalter der vielen Zechen im Ruhrgebiet zu Ende neigt, geht auch an Hamm nicht spurlos vorbei. 1976 muss die Zeche Sachsen in Heessen schließen. 1991 folgt die Schließung von Radbod. Und 2010 schloss mit dem Bergwerk Ost/Heinrich-Robert die letzte Zeche in Hamm

Bei der Landesgartenschau 1984 entsteht aus dem ehemaligen Gelände der Zeche Maximilian in Werries der Maxipark. Der ehemalige sozialdemokratische Oberbürgermeister Werner Figgen hat erheblich für den Erfolg des Maxiparkes gekämpft. Seit 1984 steht damit auch der größte Glaselefant der Welt in unserer Stadt und ist von weitem an Tag und Nacht zu sehen und zum Wahrzeichen unserer Stadt geworden.

Ab 1983 beherbergte Hamm auch ein Atomkraftwerk. Der THTR 300 in Uentrop wird nach erheblichen Pannen und vielen Protesten noch im selben Jahrzehnt - ohne dass er je am Netz war - nach 6 Jahren Testphase abgestellt.

Im selben Jahr wird auch die letzte Brauerei Hamms geschlossen. Die Brauerei Isenbeck braute von 1769 bis 1988 feinherbes Bier "made in Hamm". Auf dem ehemaligen Brauereistandort ist seit 1992 nun das Allee-Center beheimatet und veränderte und bereicherte die Einkaufslandschaft unserer Lippestadt.

Ein Jahr später eröffnete OB Jürgen Wieland (SPD) das Gustav-Lübcke-Museum, in dem neben der Stadt- und Heimatgeschichte auch eine beachtenswerte ägyptische Sammlung Platz gefunden hat.