Mit Unverständnis reagieren CDU und SPD auf die erneut entflammte Diskussion um die Bio-Station. Die umweltpolitischen Sprecher der beiden Fraktionen, Dietrich Wünnemann (CDU) und Justus Moor (SPD), setzen sich für die Umsetzung des Beschlusses ein, wie sie NABU und Stadt Hamm gemeinsam anstreben. Am 29. November laden sie alle Beteiligten ein, um gemeinsam über das Modell für die Bio-Station und den Maßnahmenplan zu beraten. Deutliche Kritik äußern sie gegenüber den „unsachlichen Querschüssen“ von Paul Ortmann als BUND-Sprecher.<

„Hier wurde eine Diskussion vom Zaun gebrochen, die fachlich überhaupt keine ist“, ist der stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses, Justus Moor (SPD) über die Diskussion zur Bio-Station überrascht. Dietrich Wünnemann, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, ergänzt: „Unser gemeinsamer Antrag sieht vor, dass ein gemeinnütziger Verein, der eine Bio-Station etablieren möchte, vom Umweltamt der Stadt Hamm organisatorisch und finanziell unterstützt wird. Genau das ist in den letzten Monaten passiert.“ Beide loben explizit die engagierte Arbeit des Hammer Naturschutzbundes (NABU). Der NABU hatte mit den umliegenden Bio-Stationen im Kreis Unna, Kreis Soest und Münsterland Kontakt aufgenommen und anschließend der Stadt Hamm ihre Pläne und Überlegungen für eine Angliederung vorgestellt. Mit allen drei Stationen arbeitet die Stadt Hamm schon seit langem zusammen. „Hier hat der Naturschutzbund viel Zeit und Ressourcen investiert, um das Beste für den Umweltschutz und unsere Stadt zu erreichen“, betont Moor. Allen Beteiligten war schon Anfang des Jahres klar, dass ein Anschluss an eine bestehende Station der einzige Weg ist - da eine Neugründung nicht förderungsfähig ist und damit 80% der Mittel entfallen würden. Außerdem wird auf schon vorhandene Strukturen und Erfahrungen aufgebaut und der organisatorische Verwaltungsaufwand wird reduziert. „So bleibt mehr Geld für die wertvolle Arbeit der Bio-Station vor Ort. Das ist für uns das Wichtigste“, erläutert Wünnemann. Das Beispiel der Stadt Dortmund, die sich genau so an die Bio-Station in Unna angegliedert hat, ist dafür ein Paradebeispiel.

In gemeinsamen Gesprächen zwischen dem NABU, der Stadt Hamm, der Biologischen Station Unna-Dortmund und der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz Soest (ABU) ist das Vorgehen abgesprochen und die ersten Aufgaben- und Maßnahmenpläne sind erstellt worden. Diese liegen nun zur Zustimmung bei der Bezirksregierung Arnsberg und dem Umweltministerium NRW. „Im Prinzip warten wir nur noch auf das Go und die Förderzusage“, bestätigt Moor. Bis zur nächsten Sitzung des Umweltausschusses am 29. November hoffen CDU und SPD auf eine positive Rückmeldung. Am Abend des gleichen Tages laden die beiden Fraktionen nach der Ausschusssitzung alle Beteiligten wie Naturschutzverbände, Fischer, Jäger und Landwirtschaft zu einem internen Gespräch ein. Diese Einladung ist eng mit den Verantwortlichen des NABU abgesprochen. Wünnemann und Moor sind sich sicher: „Nur gemeinsam können wir die Arbeit der Bio-Station für Hamm entwickeln - von Anfang an war diese enge Zusammenarbeit vorgesehen.“ Dies hatten CDU und SPD schon mit dem Beschluss im Dezember 2015 betont. Auch bei einem Treffen der Verantwortlichen von Fischern, Jägern und Landwirtschaft im März 2016 wurde das so vereinbart. „Der NABU will auch zukünftig alle Interessengruppen einbinden und die Aufgaben- und Maßnahmenpläne abstimmen“, freuen sich beide über das Engagement. „Eine Form der Bevormundung wird es nicht geben.“ So hatte Dirk Bergmeier als Geschäftsführer und Gewässerwart des Sportfischereivereins Hamm selbst auf die gemeinsam getragenen Life-Projekte hingewiesen, bei denen die ABU Soest als Bio-Station wichtiger Projektpartner war. „Daran werden wir anknüpfen und diese Arbeit für Tiere und Pflanzen stärken.“

Mit Unverständnis reagieren sie jedoch auf die Äußerungen des neuen BUND-Sprechers Paul Ortmann. „Herr Ortmann hat sich offensichtlich inhaltlich nicht wirklich mit den Bio-Stationen beschäftigt“, ist Dietrich Wünnemann überrascht über die Eskalation, die der BUND offenbar sucht. So ist seit Anfang des Jahres bekannt, dass eine eigenständige Bio-Station Hamm keine Förderung erhalten würde. Ebenso wird es keine vom Umweltamt diktierte „Vergabe von Arbeitsaufträgen“ geben - so hat der NABU Hamm nämlich die Aufgaben- und Maßnahmenpläne entwickelt und abgestimmt. Und auch in der Naturförderungsgesellschaft (NFG) als Trägerverein der Bio-Station Unna-Dortmund sind ehrenamtlicher Naturschutz und städtische Vertreter gleichermaßen vertreten, führen Moor und Wünnemann als Beispiel an. Genau das sei nämlich das Modell der Biologischen Stationen, in denen der ehrenamtliche Naturschutz mitentscheidet und nicht nur als „Auftragnehmer“ agiert. Auch dass keine Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter eingestellt werden würden, ist sachlich schlichtweg falsch. Diese können selbstständig durch Bio-Stationen eingestellt und eingeteilt werden. „Dafür steht ja das Geld zur Verfügung: Damit gute und qualifizierte Menschen für den Umweltschutz arbeiten,“ betonen Wünnemann und Moor. Beide bedauern zutiefst, dass durch diese „unsachlichen Querschüsse“ die bisherige Arbeit des NABU und die Entstehung der Biologischen Station für Hamm ins schlechte Licht gerückt werden. „Einer schimpft - alle anderen arbeiten,“ fasst Moor die aktuelle Situation zusammen. „Für diese Arbeit sind wir allen sehr dankbar und freuen uns darauf, das Wirken der Biologischen Station für Hamm gemeinsam zu entwickeln“, betonen Wünnemann und Moor. Dafür ist das Treffen am 29. November der nächste Schritt.