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Am 27. September entscheidet der Rat der Stadt Hamm über das „Handlungskonzept gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit - Hamm für Demokratie und Toleranz“. Der Runde Tisch gegen Radikalismus und Gewalt hatte gemeinsam mit der Stadtverwaltung innerhalb des letzten Jahres das gut 50-seitige Konzept entwickelt. Darin sind neben einer Analyse und Zielformulierungen auch 30 konkrete Handlungsempfehlungen vorgesehen. Mit dabei ist auch die Schaffung einer Koordinierungsstelle. Diese hatte die SPD jahrelang gefordert.

Hier geht es zum Download des Handlungskonzeptes.

„Im Koalitionsvertrag 2014 hatten sich SPD und CDU aufgegeben, ein Handlungskonzept zu entwickeln und umzusetzen,“ erläutert SPD-Fraktionsvorsitzender Dennis Kocker. „Ergebnis ist ein Handlungskonzept für Demokratie und Toleranz, das seinen Namen wirklich verdient.“ So ist das Konzept nicht im Hinterzimmer entstanden, sondern in enger Abstimmung am Runden Tisch gemeinsam mit Vertretern der Zivilgesellschaft und aller demokratischen Parteien.

Dabei geht das Konzept ganz neue Wege: „Natürlich hat das Konzept auch die rechte Szene in Hamm in Blick,“ erläutert SPD-Ratsherr Justus Moor „aber wir nehmen insbesondere die rechten Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft in den Fokus.“ So hat die Leipziger Mitte-Studie 2016 und die Forschungsreihe „Deutsche Zustände“ der vergangen Jahre gezeigt, wie stark rassistische, antisemitische und rechtsautoritäre Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft verankert sind. Diese will das Hammer Konzept frühzeitig entgegenwirken.

Dabei hat Hamm den Schritt gewagt und sich von der umstrittenen Extremismustheorie verabschiedet. „Wir wollen die Symptome wie Rassismus, Homophobie, Antisemitismus und jedwede Ausgrenzung und Abwertung von Menschen auch genauso benennen und entgegentreten. Unser Kampf gilt allen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit,“ lobt Moor das Konzept. „Die Stadt Hamm ist damit Vorreiter und will früh die Weichen für eine tolerante und diskriminierungsfreie Gesellschaft stellen.“

So soll Demokratieförderung & -erziehung schon in den Hammer Kitas und Schulen verankert werden, bspw. mit dem Programm „Pimp my town“, den Schulen ohne Rassismus oder dem Einsatz der vorurteilsbewussten Pädagogik. Die ehrenamtliche Arbeit von Vereinen und Verbänden soll durch einen Aktionsfonds gestärkt und durch eine Koordinierungsstelle besser vernetzt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung der Interkulturalität. Diese soll nicht nur in der in Verbänden, in der Jugendarbeit und in Sportvereinen unterstützt werden, sondern wird auch Leitbild im Städtebau. Auch die vielen Hammer Kulturvereine und Religionsgemeinschaften sollen dabei intensiver beteiligt und Teil des Runden Tisches werden. Mit einem neuen Förderschwerpunkt für gewaltaffine Jugendliche und die Vernetzung mit überregionalen Angeboten wie Aussteigerberatung, Opferberatung und den Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus, sollen die vorhandenen Angebote bekannter werden und besser genutzt werden.

„Den vielen Aktiven am Runden Tisch um ihren Sprecher Dr. Tilman Walther-Sollich sprechen wir einen großen Dank aus. Sie haben ein Konzept entwickelt, dass die Arbeit gegen Rechts nachhaltig stärken wird und Vorbild für viele weitere Städte und Gemeinden ist,“ so Dennis Kocker.