Die Kritik der Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen weist Lothar Wobedo, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit, Innovation und Stadtmarketing strikt zurück. „Die zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Logistikzentrums der Hellweg-Gruppe werden entweder nach dem Lager- und Logistiktarif NRW oder nach dem Groß- und Einzelhandelstarif bezahlt. Mehr geht nicht“, betont Wobedo.

Wirtschaftsförderer Christoph Dammermann hat das am Samstag bereits betont. Ebenfalls wurde der Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung zu gegebener Zeit darüber informiert. „Ich maße mir nicht an, über die Höhe der Tarifverträge zu urteilen. Das ist dann die Sache der Einzelgewerkschaft“, so Wobedo. Die Wirtschaftsförderung habe jedoch ihre Aufgabe erfüllt.

Auch Gudrun Janßen, Bezirksgeschäftsführerin des ver.di-Bezirks Hamm/Unna hat mit großer Verärgerung den Artikel im Westfälischen Anzeiger zur Kenntnis genommen. „Erstaunlich, in welcher Schnelligkeit Politiker die Argumentation von Gewerkschaften übernehmen, wenn es passt. Hier wird gegen einen Tarifvertrag ‚geschossen‘, der für die Logistikbranche durchaus üblich ist und über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt“, so Janßen.

Die Frage, die bei Amazon und kik im Vordergrund stehe, ist, ob der Logistiktarifvertrag dort der einschlägige sei, da im Unternehmen überwiegend Einzelhandel betrieben wird. „Dass nach Tarif gezahlt wird, ist erst einmal eine gute Nachricht, da es auch ‚schwarze Schafe‘ gibt, die sich keinem Tarifvertrag unterwerfen. Ob der Tarifvertrag, nach dem im neuen Hellweg-Lager gezahlt werden soll, dann der einschlägige ist, wird ver.di genauestens beobachten und ggfs. die richtigen Schritte einleiten; das ist ‚dann unser tägliches Geschäft‘“, erklärt Gudrun Janßen.

Zu den Löhnen sagt die Bezirksgeschäftsführerin: „Ein gelernter Arbeiter verdient zurzeit in Vollzeit 1.908,01 Euro brutto und ab dem 1.07.2015 sind es dann 2.077,01 Euro brutto. Auch eine ungelernte Kraft verdient mit einem Stundenlohn von 10,72 Euro mehr als den gesetzlichen Mindestlohn.“ Wobedo rät den Grünen und auch den anderen Oppositionsparteien, sich im Vorfeld bei den zuständigen Gewerkschaften über die tatsächlichen und angewandten Tarifverträge zu informieren, anstatt Plattitüden von sich zu geben. „Natürlich wünschen wir uns weitere Ansiedlung im Produktionssektor für die Hammer Wirtschaft, aber 100 Arbeitsplätze in der Logistik sind besser als keine Arbeitsplätze!“