Leerstand Innenstadt

„Wir müssen die kommenden sechs Jahre nutzen, um wichtige Entscheidungen für unsere Stadt zu treffen und so wichtige Impulse für die Stadtentwicklung in bisher strittigen Fragen zu setzen“, fordert der alte und neue Vorsitzende des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr, Dr. Georg Scholz (SPD), angesichts der bevorstehenden Wahlperiode des Rates im Zeichen der großen Koalition.

Handlungsbedarf sieht er dabei vor allem bei den Themen:

  • Entwicklung einer lebendigen und attraktiven Innenstadt

  • Erhalt lebendiger Quartiere und eine Stadt der kurzen Wege angesichts des demographischen Wandels

  • Umsetzung der zentralen Verkehrsprojekte zur Entlastung der zentralen Verkehrsknoten


Das Problem der Innenstadt und insbesondere der Fußgängerzone sieht er vor allem in der mangelnden Attraktivität des dortigen Angebotes. Die ständig sinkende Passantenfrequenz und die Leerstände seien nur eine Folge dieser Entwicklung. „Wir müssen ein Angebot schaffen, dass den Kunden bewegt, nicht online zu bestellen oder in die Nachbarstadt zu fahren. Dazu können wir in den kommenden Jahren als Stadt die Rahmenbedingungen durch einen neuen Rahmenplan Innenstadt, die Aufwertung der Fußgängerzone und die Anbindung der City ans Wasser mit dem Projekt „Hamm an Lippe und Kanal“ verbessern und die Aufenthaltsqualität erhöhen, sodass der Besuch der Innenstadt wieder ein Erlebnis wird“, erklärt Dr. Scholz. Dieser Rahmen müsse dann auch gemeinsam durch Einzelhandel, Gastronomie, Anlieger und Eigentümer gefüllt werden, was jedoch bisher nur zögerlich gelinge. Bestes Beispiel sei die eigentlich gute Aktion Late-Night-Shopping bis 22 Uhr, bei der aber bereits ab 21Uhr der Großteil der Geschäfte in der Weststraße geschlossen hatte. „Eine lebendige und attraktive City fällt nicht vom Himmel, sondern ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die den Einsatz aller Beteiligten erfordert“, so Dr. Scholz.

Der demographische Wandel zeigt auch in Hamm seine Spuren: Bereits 2020 werden ein Drittel der Hammer Bevölkerung über 65 Jahre alt sein, die Zahl der Kinder ist deutlich zurückgegangen. „Daher brauchen wir eine Stadt der kurzen Wege. Quartiere mit barrierefreien Wohnungen für alle Altersgruppen, eine Nahversorgung und soziale Infrastruktur“, stellt Dr. Scholz fest. Bisher reden nach seiner Auffassung zwar alle über diese Entwicklung, um sie im Alltag rasch wieder zu verdrängen. Es entstehen immer größere Supermärkte am Rande der Siedlungsgebiete. Wohngebiete für Einfamilienhäuser werden problemlos beschlossen, aber über innovative Bauprojekte wie Mehrgenerationenwohnen im Quartier wird gestritten. Die Arztpraxis um die Ecke verschwindet und neue große Arztzentren entstehen im Umfeld der Krankenhäuser. Dr. Scholz: „Hier sind wir als Stadt gefordert, alle planerischen Mittel zu nutzen, um Quartiere zu erhalten und zu beleben. Sonst haben wir immer mehr ‚reine‘ Wohngebiete ohne jegliche Nahversorgung, wo wir gemeinsam vereinsamen!“

Im Bereich der Verkehrspolitik erhofft sich Dr. Scholz einige Fortschritte durch die große Koalition. Der Koalitionsvertrag zeige, dass der Ausbau des ÖPNV durch eine höhere Taktfrequenz und eine Ringbuslinie, der Haltepunkt Westtünnen und eine Ergänzung des Straßennetzes durch A445 und B 63n zur Entlastung von Pelkum, der Innenstadt und Rhynern keine Gegensätze sind, sondern sich sinnvoll ergänzen. Bei den Straßenbauprojekten und dem Haltepunkt sei die Stadt jedoch auf aktive Mitarbeit von Land und der Deutschen Bundesbahn angewiesen.

„Es gibt also in den nächsten sechs Jahren genug Aufgaben und Themen für den Stadtentwicklungsausschluss. Ich hoffe, dass sich in die Diskussion nicht nur die Partner der großen Koalition einbringen, sondern alle Fraktionen; denn in den vergangenen Jahren war unser Ausschuss immer ein Ort des sachlich fairen Austausches. Natürlich wurden auch Konflikte deutlich, aber immer am Inhalt orientiert. Dies möchte ich als Vorsitzender auch in den kommenden Jahren fortführen“, stellt Dr. Scholz abschließend fest.