Die gewerkschaftlichen Initiative, Entlohnungen unterhalb eines "Mindestlohns" auch konkret in Hamm anzuprangern, ist zu begrüßen, macht sie doch deutlich, welch gefährlicher Weg in Hamm, in der gesamten Republik, beschritten wurde und wird.

Zum einen ist allein die Zahl von fast 18.000 Betroffenen erschreckend, zum anderen müssen die Konsequenzen beleuchtet werden. Die Arbeitnehmerfamilien werden systematisch aus der städtischen Gemeinschaft ausgegrenzt und die späteren Renten werden nicht ausreichend sein. Zwei Punkte, die sich natürlich auch auf die kommunale Sozialpolitik auswirken.

Schon jetzt reichen die städtischen Mittel nicht aus, um den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt zu erreichen. Alle guten Ansätze, die schon jetzt unterfinanziert sind, werden durch den ständig wachsenden Hilfebedarf zunichte gemacht. In späteren Jahren ist dann mit einer verstärkten Altersarmut zu rechnen.

Es muss schon von Hohn gesprochen werden, wenn sich die heimische Wirtschaftsförderung auf den Standpunkt stellt, dass sie "nur" Betriebe anzusiedeln habe, der "kleine" Rest, Entlohnung und Arbeitsbedingungen möge der Markt bzw. die Gewerkschaft regeln. Eine Einstellung, die an Unverantwortlichkeit kaum zu überbieten ist.

Noch dramatischer sind die Aussagen der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) auf der Internetseite. Niedriglohn als Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit schlechter oder keiner Ausbildung zu glorifizieren ist fast schon makaber zu nennen.

Die Zahl der Arbeitnehmer mit Qualifikation im Niedriglohnsektor steigt ständig und 80 % der Geringverdiener haben eine berufliche oder akademische Ausbildung.

Fazit: Niedrige Löhne sind für Unternehmen kein Grund, Menschen ohne Ausbildung eine Chance zu geben. Hier geht es um Ausbeutung der Betroffenen und indirekt aller Bürgerinnen und Bürger. Und das ist in Hamm auch der Fall.