„Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“, so kann man nach Auffassung der Hammer SPD-Ratsfraktion die Reaktion der Stadtverwaltung auf die Einwendungen von beteiligten Organisationen und Behörden in der aktuellen Ratsvorlage zur Ansiedlung des Finke Möbelmarktes in Rhynern beschreiben.



„In dieser Anhörungsrunde wird deutlich, dass unsere zentrale Kritik an den zu großen Nebensortimenten und ihren negativen Auswirkungen auf die Hammer City und die Region von allen beteiligten geteilt wird. Der Oberbürgermeister und die ihn unterstützenden konservativen Fraktionen haben sich völlig isoliert“, erklärt der Vorsitzende des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr Dr. Georg Scholz (SPD).

Nicht nur alle umliegenden Gemeinden, sondern vor allem alle drei neutralen Industrie- und Handelskammern in Dortmund, Arnsberg und Nordrheinwestfalen setzen sich mit ihrem Sachverstand kritisch mit dem Hammer Vorhaben auseinander. Alle betonen, dass die zentrenschädlichen Sortimente mit den geplanten 4000 m² deutlich das erlaubte Maß von 2800 m² (um 70%) überschreiten und damit erhebliche Auswirkungen auf die Region und auf die Hammer Innenstadt zu befürchten sind.

„Besonders deutlich wird dies in der Stellungnahme der IHK zu Dortmund, zu der auch Hamm gehört. Sie sieht genau wie wir eine akute Gefährdung vor allem des Hammer Bahnhofsquartiers und fordert daher eine deutliche Reduzierung des zentrenrelevanten Randsortimentes und betont das Kinderwagen, Autositze und Babyausstattungen nichts mit einem Möbeleinzelhandelsbetrieb zu tun haben und daher ganz gestrichen werden sollten“, stellt Dr. Scholz anlässlich der Übereinstimmung erfreut fest. Die Verwaltung wische aber alle Einwände vom Tisch.

Ähnlich verhalte es sich im Bereich Umweltschutz. Nicht nur die Umweltverbände, sondern auch die Höhere Landschaftsbehörde der Bezirksregierung in Arnsberg kommt zu dem Schluss, dass es sich bei der Landschaftsform des Siepens mit seinem alten Gehölzbestand um eine wichtige schützenswerte Struktur handelt und stellt fest, das ein kompletter Erhalt nicht nur notwendig, sondern vor allem durch eine geschickte Umgestaltung der Parkplätze durchaus möglich wäre.

„Aber selbst diese relativ einfach umzusetzende Anregung wird von der Verwaltung nicht aufgegriffen. Unsere Befürchtung, dass es bei der Ansiedlung des Möbelmarktes in Rhynern kein offenes Verfahren geben wird, hat sich voll bestätigt“, betont Dr. Scholz verärgert. „Die abweichenden Positionen im Landesgutachten von Junker und Kruse werden auch in der aktuellen Vorlage mit keinem Wort erwähnt. Da braucht man sich über Politikverdrossenheit nicht zu wundern, wenn selbst die Einwendungen von Fachleuten in Organisationen und Behörden nicht berücksichtigt werden.“